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Spina bifida

Der Begriff Spina bifida leitet sich ab aus dem lateinischen spina für „Stachel“ oder „Dorn“, was sich auf den Dornfortsatz des Wirbelkörpers bezieht; das lateinische bifidus bedeutet „in zwei Teile gespalten“. Spina bifida heißt also „gespaltener Dornfortsatz“. Im Deutschen ist „Wirbelspalt“ üblich. Die deutsche Bezeichnung „offener Rücken“ gilt nur für die Sonderform der Spina bifida aperta.

In Mitteleuropa tritt eine Spina bifida durchschnittlich bei 1 von 1000 Kindern auf, wobei Mädchen etwas häufiger betroffen sind als Jungen. Es ist eine Sonderform einer Entwicklungsstörung.

Das Nervensystem des Menschen besteht aus dem Gehirn, dem Rückenmark und den einzelnen Nerven, die wie Stromkabel Befehle weitergeben oder – in Gegenrichtung gedacht – Empfindungen wie Wärme, Kälte, Schmerzen oder Erschütterungen an das Gehirn melden.

Wenn ein Mensch aus einer befruchteten Eizelle entsteht, entwickelt sich langsam auch das Nervensystem. Aus einem „Zellhaufen“ wird eine Art Rohr – das spätere Rückenmark und Gehirn. Dabei können Pannen passieren und es kommt zu einer sogenannten Neuralrohrfehlbildung, die unterschiedliche Ausprägungen haben kann und sich entsprechend unterschiedlich schwer auswirkt. Das zeitliche Fenster für die Entstehung dieser Fehlbildung liegt zwischen dem 22. und 28. Tag der Embryonalentwicklung.

Je nach Schweregrad der Fehlbildung, also je nach Schweregrad der Rückenmarksschädigung, sind Menschen mit Spina bifida kaum oder aber sehr stark körperlich beeinträchtigt. Probleme beim Gehen bis hin zur Lähmung der Beine und eine verminderte oder komplett aufgehobene Sensibilität sind möglich (Querschnittlähmung). Auch ist häufig die Kontrolle über Darm und Blase eingeschränkt oder aufgehoben. Es kommt im Wesentlichen darauf an, in welcher Höhe der Wirbelsäule sich die Fehlbildung befindet und wie stark die Nerven beeinträchtigt sind. Oft tritt gemeinsam mit der Spina bifida ein Hydrozephalus (Ansammlung von Hirnwasser in den Hirnwasserkammern wegen einer Ableitungsstörung) auf. Hierdurch können Anteile des unteren Hirnstamms und des Kleinhirns nach unten verlagert werden und zu einer Störung der Zirkulation des Hirnwassers (Liquor) führen.

Die Intelligenz eines Kindes mit Spina bifida ist beim alleinigen Vorliegen dieser Fehlbildung in der Regel nicht beeinträchtigt, während zusätzliche Fehlbildungen des Gehirns oder ein unbehandelter Hydrozephalus den Verlauf ungünstig beeinflussen.

Eine Spina bifida aperta muss wegen des Risikos einer schweren Infektion spätestens in den ersten Tagen nach der Geburt operativ verschlossen werden.
Die häufig vorhandene Lähmung der Blase benötigt meistens eine lebenslange Behandlung, da ansonsten die Niere zu Schaden kommen kann.
Die meisten Menschen mit Spina bifida brauchen ihr gesamtes Leben lang mehr oder weniger Begleitung durch Fachärzte, Krankengymnasten sowie psycho-soziale Beratung und ein hilfreiches Umfeld.
Vorsorge
Die zusätzliche Einnahme von Folsäure in der Schwangerschaft (d. h. etwa ein Jahr vor und während der Schwangerschaft) reduziert das Risiko für einen Neuralrohrdefekt um die Hälfte. Seit Juni 1994 wird dies in der Bundesrepublik Deutschland empfohlen.